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Warum ich immer noch an das Christkind glaube


In unserer Kindheit werden uns Mythen über Kreaturen, Zauberer und Magie erzählt, die wir mit dem älter werden irgendwann als Lüge aufdecken. Wobei Lüge ein sehr harscher Begriff ist. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mir vom Christkind, dem Osterhasen und dem Samichlaus erzählt haben und mir diese Geschichten so vermittelt haben, dass ich sie geglaubt habe. Man muss aber auch gar nicht so weit denken, kleine Traditionen oder Rituale sind auch diese kleinen Dinge, die in jeder Familie individuell sind, und von den Grosseltern über die Eltern bis zu den Kindern weitergetragen werden, und das von Generation über Generation. Teilweise kann auch Aberglaube eine Rolle spielen, aber mir geht es darum, auf die Rituale einzugehen, welche die Erwachsenen bewusst weitermachen, auch wenn sie wissen, dass sie keinen Wahrheitsgehalt haben. 

 

Rituale zeichnen sich dadurch aus, dass den kleinsten, alltäglichsten Dingen eine wichtige Bedeutung zugemessen wird. Rituale haben auch einen positiven Effekt auf unsere Psyche. Menschen, denen es schlecht geht, neigen mehr zu rituellen verhalten, da Rituale helfen, negative Emotionen, wie Unsicherheit, Stress und Angst zu regulieren. Beispielsweise entwickeln Depressive Menschen oft kleine Rituale, die ihnen dabei Helfen mit ihrer Krankheit umzugehen. In diesem Fall sind Rituale eine Stressbewältigungsstrategie. Sie können aber genau so zur Präventition dienen, dass der Körper gar nicht erst dieser Überdosis an Stress ausgesetzt wird. So drängt sich aber die altbekannte Frage auf, was zuerst da war, das Ritual oder die negativen Emotionen. Rituale sind älter als jede Religion, und begleiten Menschen seit fast hunderttausend Jahren. Durch ihre regulierende Wirkung waren sie für das Leben essenziell und überlebensnotwendig, gerade zu einer Zeit in denen sich Kulturen noch in dem Frühphasen befanden. 

 

Rituale können aber auch eine motivierende, vorbereitende oder Aufbauende Funktion haben. Für Sportteams sind Rituale wichtig, um ihre Motivation auf den Höhepunkt zu bringen, bevor das Spiel beginnt und Schüler*inne entwickeln kleine Rituale vor Prüfungen, die ihnen Glück bringen sollen. Es zählt aber genau so das bewusste Zubereiten eines Frühstückskaffees oder dass man beim Duschen immer mit dem Haare waschen anfängt. Einen noch grösseren Einfluss haben Rituale, die man zusammen mit anderen durchführt. Speziell in Familien verbinden solche Rituale und lehren den Kindern die Werte und die kulturellen und sozialen Prioritäten. Familienrituale sind ein Spiegel dieser und zeigen ihre Kernwerte und für was diese Familie steht. Natürlich kann man das genau so auf Freundesgruppen anwenden.

 

Doch können wir aktiv Rituale erfinden? Ja, können, wir und dadurch machen wir uns ihren positiven Einfluss zu eigen. Eine Routine wird zu einem Ritual, in dem man ihr eine Bedeutung zumisst, und sie, genau romantisiert. Sein Leben zu romantisieren, bedeutet nicht, die Realität zu verleugnen oder zu ignorieren, sondern Freude an kleinen, alltäglichen Dingen zu finden und dankbar zu sein. Gerade im Zustand, in dem sich die Welt gerade befindet, und der herausfordernden Zukunft, die uns bevorsteht, tut es sehr gut, sich bewusst Zeit zu nehmen und kurz innezuhalten. 

 

Meiner Generation wird oft vorgeworfen, realitätsfern zu sein, doch ich glaube indem wir diese kleinen Dinge wieder wertvoll machen, lernen wir, die kleinen Dinge wieder wertzuschätzen. Insgesamt mag die Welt gerade ein eher düsterer Ort sein, aber wenn wir uns die ganze Zeit nur mit negativen Dingen beschäftigen, wird unsere Psyche irgendwann kapitulieren und wir können nur dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, wenn wir nicht verrückt sind.


Bild: privat

 

 

 

 
 
 

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